[Zugriffszähler] Stand: 20.09.11
Motobecane Mini-Moby:
(Mein Jugendtraum)
Alle meine Kumpels hatten damals eines. Alle Kumpels. Nur ich nicht. Ich hatte nie ein Mofa.
Kaum zu ahnen, was einem 15 jährigen da alles entgeht.
Nur, weil ich das Geld für eine Robbe Terra AM27Mhz-4 Kanal Fernsteuerung
brauchte.
Klar, das ich nicht nein sagen konnte, als ich eines geschenkt bekam. Mehr als
35 Jahre zu spät, aber was soll's, ich bin ja noch jung ;-) und für "sowas"
nie zu alt. Ein Kindheitstrauma besiegen? Immerhin eine "Kreidler Florett" wurde
mit 21 Jahren gekauft um die ebenfalls nie stattgefundene Moppedzeit zu kompensieren. Aber zum Thema:
Es war einmal:
Da fragt mich jemand: Ich hab da ein Mofa, hast du für so was Verwendung? Ich
hab da in solchen Situationen einen Sprachfehler. Das Wort "Nein" findet sich in einem solchen
Moment nicht in meinem persönlichen Wortschatz. Immerhin, mein Junior könnte
tatsächlich "so was" gebrauchen, schließlich ist er wie ich auch mit 15 Jahren
mangels Mofa per Pedes unterwegs gewesen. Das Teil war auch gar nicht weit weg:
Es ist ein klassischer "Dachbodenfund". Mit einem Gabelstapler brachte man das
Teil ans Licht.
Bestandsaufnahme:
Eine "Motobecane Mini Moby". Verdreckt,
vergammelt und scheinbar original. Wenig Rost, umso mehr Mucht. Mucht ist Staub-Fett-Öl-Dreck und bildet wie bei
der Moby (mittlerweile hat die Maschine also auch einen Namen) eine
homogene Masse. Augenscheinlich komplett. Immerhin, laut Versicherungskennzeichen
ist die Moby vor 28 Jahren das letzte mal "offiziell"
bewegt worden. Ich denke, ich versteck das Teil,
Sohnemann kommt gleich hier vorbei, und da könnt ich ihm eine Überraschung
bereiten. Zu spät, Teil wurde natürlich sofort entdeckt und mein Sohn kriegt ein
breites Grinsen. Also wird erstmal zusammen geputzt. Der Dreck muß runter. Siehe
da, es ist rot. Der Motor wird mit Backofenspray zur Unterstützung sauber
gemacht.
Test:
Frische Luft in die Reifen, etwas Benzin aus
der MZ abgezapft, und "Probefahrt". Erstmal Strampeln. Mit Choke, mit Deko. Irgendwann sprang Sie an. Die Moby läuft! Aber wie... Leistung ist Fremdwort,
und wenn man Gas gibt, dauert es eine Ewigkeit bis auch der Motor was von
mitbekommt. Apropos Gas: Der Motor läuft nur mit Vollgas, sonst geht er aus. Zu allem Überfluss geht auch noch die Kette kaputt; also ist erstmal
Zwangspause.
Mitten in der Restauration:
So was geht nicht ohne eine
vernünftige
Restauration. Reinigen, auseinander nehmen, gangbar machen und wieder
zusammenbauen. Mit etwas putzen allein wird das nicht dauerhaft zuverlässig und
schon gar nicht verkehrssicher. Der Vergaser ist das erste Opfer. Saubermachen mit
Druckluft und Vergaserreinigungsspray. Das taugt mehr als Bremsenreiniger. Beim
3. oder 4. Reinigungsversuch wurde das Prinzip der Chokebetätigung verstanden. Er
ist total festgerostet, der "Chokeschieber", trotz Reinigungsspray. Erst mit
sanfter Gewalt gangbar gemacht und die Moby läuft wie ausgetauscht. So gut, daß
die Kette reisst. Mit dem
Muster in der Hand gehts zum Fahrradhändler im Ort: "Ne, so große Ketten
hamwanich". Im Moppedladen heißt's dafür: "So kleine Ketten hamwanich".
"Hamwanich" findet sich dann im
Internet. Es ist eine Moppedkette, Typ 415. Der
Fahrradhändler hätte nur mal nach Ketten für BMX Fahrräder gucken müssen.
Moppedketten gibt's im Zeitalter der Plastikroller mit Variomatic nicht mehr
unbedingt an jeder Ecke. Trotzdem, es ist ein kleiner Vorgeschmack auf das:
Teile-Desaster:
Schon bei der Bestandsaufnahme stelle ich
fest: Was nicht fehlt, ist wenigstens kaputt. Dieser Umstand stellt sich schnell als Problem
heraus. Der Benzinhahn sabbert wie ein Kieslaster, der Tachoantrieb hat sein
Schneckenantriebsrad (nicht mehr auffindbar) aus der Blindabdeckung (die fehlt
auch) ausgespuckt,
die Gummifaltenbälge zerkrümeln in den Fingern, die Bowdenzüge sind mehrteilig
außen gebrochen und auch die Innenzüge haben "Fäden gelassen". Nun, letzteres gibt's
als Meterware, und Nippelkram hat man sowieso. Die Kunst des Nippellötens muss
man allerdings beherrschen, sonst sollte man es lassen. Für den Rest gibt's ja
das Netz. Schnell stelle ich fest, das Teile für Motobecanes in Deutschland Mangelware sind.
Die Firma Motobecane gibt's nicht mehr, MBK hießen die später, und schlussendlich ist
Yamaha der so genannte "Rechtsnachfolger", was aber nicht stimmen
sollte. Trotzdem hab ich dort Ersatz-Papiere beantragt.
Aber das war's auch schon mit Ersatz. Selbst Mopedreifen 2,00 x 16 gibt's auch
nicht mehr. Zuerst wurden die üblichen Teile- und Moppedläden aus meiner seligen Kreidlerzeit abgeklappert. Aber keiner hat was. "Hamwanich"
überall nur. Ich hab das Gefühl, die wollen nicht mal nachschauen. Soll halt so
sein, wenn die nicht wollen, aber brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn alle Welt
nur noch im Netz bestellt. Zum Glück ist mal wieder Veterama
gewesen.
Dort erst wurde ich fündig: Immerhin, ein Benzinhahn von einem Peugeot-Mofa der nach dem selben Prinzip arbeitet, ein paar Teile
von einem Tachoantrieb, aus denen man einen funktionierenden machen könnte.
Zwischenzeitlich wurde mit Aquariumzubehör ein Benzinhahn selber gebaut. Leider
war der genauso wenig dicht wie das original. Gut, das der Peugeothahn angepasst
werden konnte. Die Faltenbälge sind nun von einer Simson, etwas zu groß, aber besser wie nix.
In keinem Fahrradladen zwischen Frankfurt und Oberursel gibt es Faltenbälge mehr.
Spiegel und eine Klingel sind wohl hier mittlerweile Vorschrift. Und selbst ein
Fahrradspiegel ist nicht ohne Probleme zu bekommen, wenn man nicht unbedingt was
im "Carbon-Design" oder sonstwie neumodisch mag. Falls der Tacho
nicht mehr gehen sollte, konnte eine original Blindabdeckung auf der Veterama
erstanden werden. Vieles, -ja fast alles, bekommt man noch für die Velo-Solex; das
französische Reibrollenmofa geniest einen ganz anderen Kultstatus als die Motobecanes, die damals "in den Siebzigern" noch wie Sand am Meer rumgefahren sind.
Pech für mich, dabei kann man mit der Moby auch bei Regen fahren.

Und weiter geht's:
Alle Bowdenzüge wurden gewechselt-teilweise
mit den Außenzügen. Leider bekommt man die alten grau/silberfarbigen Aussenzüge
nicht mehr. Also sind die neuen schwarz. Pedale: Ein Pedal ist festgeschweisst.
Das benachbarte ist krumm. Der Versuch selbiges festzuschrauben scheitert. Nun
ist auch dieses festgeschweisst. Ich gebe zu, diese Art der Restauration
widerspricht meinem persönlichen Qualitätsanspruch. Aber das Achsrohr ist noch
ganz, und Tretkurbeln müssten auch von anderen Mopeds passen. Die Keile sind 9,0
plus etwas Spiel. Ein 9mm Keil kann fast durchgeschlagen werden. Fast. Also wird
die abgeflachte Seite rumgedreht und mittels Schleifbock eine neue
"schräge/schiefe Ebne" eingearbeitet.
Der Typ:
Genau genommen ist meine Motobecane eine Mini
Moby, Typ PRTS, diese hat im Gegensatz zur PR (keine) und PRT (nur vorne Teleskop)
vorne und
hinten (Schwinge) eine Federung. Die Motobecanes haben 2 Typen von Motoren:
Meiner, der M1 Motor hat nur links (in Fahrtrichtung) eine Kurbelwellenlagerung.
Die "Verlängerung" mündet in die Kupplung, eine Fliehkraftkupplung "Dimoby-Kupplung.
Es gibt auch eine Variomatikkupplung. Der Motor wird auch der Isodynemotor
genannt. Die Mini Moby heisst in anderen Ländern auch Cady und kann dort ein
ganz anderer Typ sein. In Spanien z.B. ist die Cady der Typ 50. Zufall: In
meiner Strasse wird gerade eine verkauft. Mal sehen, für wieviel die "weggeht".

Besonderes:
Im Fall der Fälle lässt sich mit einem
Hebel die Moby ganz einfach auch als Fahrrad benutzen. Das ist evtl. ganz
praktisch, da die Moby keinen Benzinhahn mit einer Reservestellung hat. Nicht nur das: Der
Bremshebel ist mit einer Mechanik ausgestattet, welcher automatisch beim Bremsen das Gas
wegnimmt. Dies geschieht über eine trickreiche "Hebelei" die mit Gas und Bremse
verbunden ist.

Panne:
Kein Mopped ohne Panne. Zumindest nicht bei
mir. Auch bei der Moby bleibt man scheinbar nicht von "Kupferwurm" verschont.
Aber der Reihe nach: Zuerst mal springt die Moby nicht an. Plötzlich, auf
einmal. Nach einer Woche Standzeit, draußen bei winterlichen Temperaturen und
entsprechenden feuchten, nassen Wetter. Zugedeckt immerhin. Aber nix zu machen,
kein Zündfunke, nichtmal eine Fehlzündung. Nasse Kerze, mehr nicht. Zu allem
Überfluss reißt die Kette, diesmal die rechte, ich nenne Sie die "Strampelkette"
denn diese ist für die Verbindung Pedale-Hinterrad zuständig. Ersatz ist zwar
vorhanden, aber eine Standart 1/2 x 3/32 (innen
2,4mm) ist zu schmal und eine 1/2 x 1/8 (innen 3,3mm) zu breit: Sollten
ausgerechnet Motobecanes Ketten in Sondergrösse haben? Meine Zündung versteckt
sich beim "M1" Motor hinter der Kupplung, da auf der anderen, der rechten Seite
nicht mal ein Kurbelwellenlager ist. Der Trick ist alt: Ein Nylonseil ins
Kerzenloch und schon kann man "vorne" arbeiten.
Die Kupplung geht ohne Probleme ab, es zeigt sich
kaum Verschleiß, es sind ja auch erst knapp 5000 Kilometer auf der Uhr.
Dahinter ist die Zündung. Sehr überschaubar: 2 Spulen, eine fürs Licht, eine für
die Zündung. Unten ein Kondensator welcher aber in Ordnung ist. Darüber tront
ein Kontakt. Falsch, Kontakt ist nicht das richjtige Wort, denn die Kontakte
sind nach ausbau und druchemssens hochohmig. Eine Diamantfeile und 1000er
Schleifpapier beseitigen das Problem und der Kontakt hat wieder Kontakt. Kerze
mal draufgesteckt und am prov. montierten Schwungrad gedreht und siehe da: Es
funkt sogar wieder. Natürlich hätte man einen neuen Kontakt bestellen können. Es
gibt für die Novizündung wie für die meisten französchischen Mopedes/Mofas einen
"Standart zündkontakt. Dieser ist aber, na klar! ein anderer, den er wird rechts
eingebaut. Also fast spiegelverkehrt zum Moby-Kontakt. Teiledesaster, siehe
oben.
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