Mit der MZ im Winter unterwegs:

Beruhigend: Ich bin nicht der einzige
"verrückte" Gespanntreiber.
Mit Sohn und Schlitten unterwegs im Taunus

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Emme und Winter:
Ein
Gespann kann, -entsprechende fahrerische Fähigkeiten
vorrausgesetzt- eher auf Schnee (und auf Eis sowieso, aber bitte
nur zur Not) bewegt werden, als eine Solomaschine. Man kann das Emmengespann ja nicht nur lenken, sondern zusätzlich noch mit
Gas und Bremsen dirigieren. Das macht die Sache sicherer als ein
Auto. Meine ganz persönliche Erfahrung. Wenn die Emme trotzdem
mal im Tiefschnee durchdreht, stelle ich mich mit meinem Gewicht
;-) auf die Soziusrasten. Praktischer wäre sicherlich ein
125SR15 Winterreifen, leider habe ich noch keinen gefunden. (Als ich diese
Seiten schrieb gabs noch kein Smart.) Ob
Entenfahrer nicht im Winter unterwegs sind? Ich habe Sie im
Winter zusätzlich mit Lenkerstulpen, Griffschalen und Knieschutzdecke
ausgerüstet. Das sieht zwar nicht unbedingt schicklich (besonders die
Knieschutzdecke), sondern
äußerst gewöhnungsbedürftig aus, ist aber andererseits sehr
empfehlenswert. Meine Griffheizung sorgt außerdem dafür, das
man recht komfortabel auch bei Minustemperaturen unterwegs ist.
Der eigene, pers. Aktionsradius vergrößert sich damit
erheblich. Das hat gewiss nix mit "Weichei" zu tun, als
Gespannfahrer kann ich eben auch bei Schnee und Eis fahren, was
ein Solofahrer nicht kann. Ich fahre im Winter, teils weil es
einen gewissen Spaßfaktor hat, teils weil ich (leider?) meistens
nix anderes zum fahren habe.
>> Dabei gibt es in Deutschland ca. 5,6 Millionen
Gespannfahrer, die meisten haben nur kein Beiwagen ;-) <<
Betr. Griffheizung: Die 180 Watt Drehstromlichtmaschine der ETZ
verkraftet das. Die 6völtige Gleichstromlima der TS eher nicht,
zumal die Spannung nicht ausreicht. Man braucht die
"zöllige", also die 25,4mm Version. Nur dann passt der
Gasgriff ohne Nacharbeit, bzw. kann nur dann der originale
verwendet werden. Links habe ich den Lenker mit
Schrumpfschlauch aufgedickt. Beides hält mit Pattex-Kraftkleber (Silikonbasis).
Noch ein paar Anmerkungen zum
Winterbetrieb:
Wir Mimosen in Deutschland beschweren uns über Temperaturen
unter +10° Grad... und was machen die ganz Harten?
+10° C:
Harleyfahrer bringen ihre Maschinen zum Händler, zum
einmotten/überwintern bis mitte Juni. Die Bewohner von
Mietwohnungen in Helsinki drehen die Heizung ab.
Die Lappen (Bewohner Lapplands) pflanzen Blumen. BMW-Fahrer
grüßen sich.
+9,5° C:
BMW-Fahrer grüßen sich und (manchmal) andere Motorradfahrer. Zeit ein Cabrio
zu kaufen.
+5° C:
Jappanerfahrer ziehen Handschuhe an. Die Lappen nehmen ein
Sonnenbad, falls die Sonne noch über den Horizont steigt.
+2° C:
BMW-Fahrer ziehen Handschuhe an. Jappaanerfahrer ziehen
Thermokombis an. Italienische Autos, japanische Motorräder und
Opel springen nicht mehr an.
0° C:
Destilliertes Wasser gefriert. Regen wird zu Schnee. BMW-Fahrer
ziehen Thermokombis an. Der MZ-Gespannfahrer denkt: "Prima
Wetter zum Gespannfahren"
-1° C:
Der Atem wird sichtbar. Zeit, einen Mittelmeerurlaub zu planen.
Die Lappen essen Eis und trinken kaltes Bier. Japanisches
Kühlwasser friert ein. Der MZ-Gespannfahrer freut sich über
seine Luftkühlung und fährt nur noch mit langärmligen
T-Shirts.
-4° C:
Die Katze will mit ins Bett. Italienische Moppeds springen nicht
mehr an. Der MZ-Gespannfahrer fährt nicht mehr mit dem
Halbschalenhelm.
-10° C:
Zeit, einen Afrikaurlaub zu planen. Die Lappen gehen zum
Schwimmen. Guzzi-Fahrer gehen zu Fuß. Jappaanerfahrer fahren
Bahn. Der MZ-Gespannfahrer stellt seine Griffheizung auf
"low" (ca. 15 Watt).
-12° C:
Zu kalt zum Schneien. Mein Visier beschlägt, vielleicht sollte
ich doch wieder mit der Halbschale fahren.
-15° C:
Amerikanische Autos und Ford springen nicht mehr an. Der
MZ-Gespannfahrer stellt seine Griffheizung auf high (ca. 30 Watt).
-18° C:
Die Helsinkier Hausbesitzer drehen die Heizung auf. Der
MZ-Gespannfahrer zieht Handschuhe an, und lässt seine
Griffheizung in Stellung "Start" (ca. 50 Watt).
-20° C:
Der Atem wird hörbar. Der MZ-Gespannfahrer zieht Thermokombis
an.
-22° C:
Französische Autos springen nicht mehr an. Zu kalt zum
Schlittschuhlaufen. Damit die Griffheizung auch im Stadtverkehr
funktioniert, und die Lichtmaschine nicht schlappmacht, stellt
der MZ-Gespannfahrer sein Leerlauf etwas höher.
-23° C:
Politiker beginnen, die Obdachlosen zu bemitleiden. Der
MZ-Gespannfahrer tut Kindern einen Gefallen, macht ein paar
Schlitten ans Gespann und fährt mit Ihnen durch die
verschneiten Felder.
-24° C:
Deutsche Autos springen nicht mehr an. Der MZ-Gespannfahrer
fährt mit Stulpen und Knieschutzdecke.
-26° C:
Aus dem Atem kann Baumaterial für Iglus geschnitten werden. Der
MZ-Gespannfahrer zieht zum Starten etwas den Choke.
-27° C:
99% der K-Fahrer stellen ihre BMW in die Garage (nur dem Mopped
zu Liebe ;-). Der MZ-Gespannfahrer denkt über Winterbereifung
nach.
-29° C:
Die Katze will unter den Schlafanzug. Der MZ-Gespannfahrer muss
zum Starten jetzt 2x kicken.
-30° C:
Kein richtiges Auto springt mehr an. Der Lappe flucht, tritt
gegen den Reifen und startet seinen Lada. Könnte aber auch ZIL/Robur
oder Ural sein. Der MZ-Gespannfahrer muss zum Starten jetzt 2x
kicken oder Choke ziehen.
-31° C:
Zu kalt zum Küssen, die Lippen frieren zusammen. Lapplands
Fußballmannschaft beginnt mit dem Training für den Frühling.
Der MZ-Gespannfahrer muss zum Starten jetzt 2x kicken und
Choke
ziehen.
-35° C:
Zeit, ein zweiwöchiges heißes Bad zu planen. Der
MZ-Gespannfahrer ärgert sich über seine japanische Batterie.
Die Lappen schaufeln den Schnee vom Dach.
-39° C:
Quecksilber gefriert. Zu kalt zum denken. Der MZ-Gespannfahrer
freut sich über die 5. Stellung seines Zündschlosses:
"Starten ohne Batterie" Die Lappen schließen den
obersten Hemdknopf.
-40° C:
Das Auto will mit ins Bett. Die MZ will in die Garage. Die Lappen
ziehen einen Pullover an.
-44° C:
Mein finnischer Kollege überlegt, evtl. das Bürofenster zu
schließen.
-45° C:
Die Lappen schließen das Klofenster. Der MZ-Gespannfahrer muss
zum Starten jetzt 3x kicken und Choke ziehen.
-50° C:
Die Seelöwen verlassen Grönland. Die Lappen tauschen die
Fingerhandschuhe gegen Fäustlinge.
-70° C:
Die Eisbären verlassen den Nordpol. An der Universität
Rovaniemi (Lappland) wird ein Langlaufausflug organisiert.
K-Fahrer stellen den Motor ab, der die letzten 10 Tage konstant
durchlief, damit das Öl nicht gefriert. Das Benzin anfängt zu
klumpen. Der MZ-Gespannfahrer hängt einen Tauchsieder in den
Tank.
-75° C:
Der Weihnachtsmann verlässt den Polarkreis. Die Lappen klappen
die Ohrenklappen der Mütze runter.
-120° C:
Alkohol gefriert. Folge davon: Der Lappe ist sauer. Die MZ muss
eine Weile mit Choke warm laufen.
-268° C:
Helium wird flüssig. Die Sitzbank der MZ etwas hart.
-270° C:
Die Hölle friert. Die Tacho- und Drehzahlmessernadel der MZ eiern
etwas.
-273,15° C:
Absoluter Nullpunkt. Keine Bewegung der Elementarteilchen. Die
Lappen geben zu: "Ja, es ist etwas kühl, gib' mir noch
einen Schnaps zum Lutschen. "Die MZ startet nur noch
in Stellung 5, 4xkicken, Choke bis Anschlag, etwas mit Choke warmlaufenlassen.
Spass
beiseite:
Kleidung warm machen und im warmen Raum wenn möglich anziehen. Dann gleich
raus, und losfahren (Schwitzen vermeiden!). Hosen über die Schuhe.
Thermounterwäsche tragen, sonst funktioniert der Membraneffekt nicht.
Doppelvisier. Oder Heizvisier, elektrisch, 12Volt/ca. 20Ohm aus Konstantandraht;
elektrisch glühendheissgemacht und ins Visier (Polycarbonat) reingedrückt. In
Fahrpausen: Handschuhe auf den (hoffentlich warmen) Zylinder legen.
Thermosocken, Einlegesohlen. Kleidung regelmäßig imprägnieren. Mitnehmen:
Heißgetränke in Thermokannen: Kakao, Gemüseboulion. Antibeschlagspray und
Regenperleffekt für den Visier, da das Zeug nur kurze Zeit zufrieden stellend
funktioniert. DigiCamBilder: Weiß-abgleich neu machen bei Schneebildern. Wirklich gut: Knieschutzdecke, Heizgriffe,
Lenkerstulpen, Griffschalen, am besten alles auf einmal.
Ersatzzündkerzenstecker und -kabel mitführen (Salzwasser!). Helm ab=Mütze
auf= Kopf bleibt warm. Was ganz ernstes: Richtig Moppedfahren kann man im Winter
auf Eis nicht. Nur Gespann.
Fortsetzung folgt.